
In einem ebenso eindrucksvollen wie persönlichen Vortrag nahm Winfried Hawran das zahlreich erschienene Publikum mit auf seine Reise als Entwicklungshelfer nach Afrika. Sehr packend schilderte er seine Zeit in den 1980er-Jahren, zunächst im Sudan, später in Zimbabwe – Jahre großer Umbrüche, die mit den heutigen Verhältnissen kaum mehr vergleichbar sind.
Im Sudan erlebte Hawran bereits die Spannungen zwischen dem arabisch geprägten Norden und dem schwarzafrikanischen Süden. Er hatte sich bewusst für den Einsatz an einer Schule im Süden entschieden, doch das Projekt scheiterte letztlich an ganz praktischen Problemen: Es fehlte an Lebensmitteln für die Schüler. „Also“, so Hawran, „entwickelte ich mich selbst.“ Die Situation spitzte sich weiter zu, als zwei Entwicklungshelfer von Rebellen entführt wurden – ein Ereignis, das schließlich zur Evakuierung aller Helfer führte.
Der Neuanfang in Zimbabwe fiel in eine Phase großer Aufbruchsstimmung nach dem Ende der Apartheid. Deren Überwindung wurde mit viel Engagement und politischem Geschick vorangetrieben. Besonders beeindruckend war der Bildungsaufbruch auf dem Land: Innerhalb kürzester Zeit errichteten die Gemeinden mehr als 1000 Schulen. An einer dieser Schulen unterrichtete Winfried Hawran in sehr großen Klassen wissbegierige Schülerinnen und Schüler und begleitete zugleich die einheimischen Lehrkräfte in ihrer Arbeit.
Neben dem Berufsalltag berichtete Hawran auch von Reisen, die ursprünglich als Erholungsaufenthalte gedacht waren – durch den Sudan und nach Kenia. Atemberaubende Landschaften und eindrucksvolle Bilder blieben in Erinnerung, ebenso wie die Erkenntnis: Bei unerträglicher Hitze sieht Erholung dann doch anders aus.
Der Abend bot den Zuhörerinnen und Zuhörern eindrucksvolle Einblicke in eine Lebenswelt, die in jeder Hinsicht weit entfernt ist – geografisch, kulturell und historisch. Ein Vortrag, der nachwirkte und zum Nachdenken anregte.
Text: Ingrid Gabriel-Abraham
Fotos: Winfried Hawran



